Kommentar von: fressack [Besucher]
fressackIch möchte ja niemandem etwas madig machen, schon gar nicht die Eindrücke von Land und Leuten, aber eine Kochschule mit einem derart diffusen und wirren Programm, kombiniert mit autoritären Lehrmethoden und 80er-Rezepten wäre dann doch nichts für mich.
Wenn ich nicht einmal - trotz Vorbildung - mein Messer zum Hühnerzerlegen selbst wählen kann und ein Melkkurs aus dem Anschliessen der Maschine besteht,könnte mich nur ein günstiger Preis für den Kurs davon abhalten, nach Hause zu fahren oder für das Geld einen regulären Urlaub zu verbringen.
12.06.10 @ 01:23
Kommentar von: nata [Besucher]
nataUber den Preis für dieses zwölfwöchige Unternehmen denke ich auch jedesmal nach, wenn ich die Berichte lese. Der offiziellen Homepage der Schule ist zu entnehmen, dass 9995 Euro dafür fällig werden. - Ob es das wert ist?
12.06.10 @ 08:24
Kommentar von: Véronique [Besucher]
VéroniqueSmoked porridge!
12.06.10 @ 11:15
Kommentar von: creezy [Besucher]
creezy@fressack @nata
Ihr geht vielleicht mit einem falschen Standpunkt ran. Die Ausbildung ist nicht für fertige Köche oder so sehr und überschnittlich ambitionierte Laien-Köche wie Claudia (Laie ist bei Dir, Claudia, ja schon das falsche Wort) gedacht. Sondern doch eher für Leute, denen diese Ausbildung ? unter den Standpunkten eines völlig anders agierenden Landes und Systems ? den Einstieg ins mögliche Berufsleben als Koch vermittelt. Da sind erstmal für 12 Wochen Intensiv-Weiterbildung 10.000 Euro nicht viel und zum anderen ist von den meisten Teilnehmern das Grundwissen ein deutlich geringeres als das von Claudia.

Das man sich für deutlicher weniger Geld die Grundkenntnisse selber aneignen kann oder auch für drei Monate in irgendeiner Küche ein ubezahltes Praktikum hätte machen können, sofern man einen Koch findet, der gut weiterbildet in der Zeit, ist natürlich unbestritten.

Selbstverständlich bin ich aber auch sehr auf das abschließende Fazit von Claudia gespannt.

12.06.10 @ 12:11
Kommentar von: nata [Besucher]
nataAlso mein Standpunkt ist der einer Blogleserin. Und als solche verfolge ich hier Berichte von Claudia, die nicht gerade nach Begeisterung und Enthusiasmus klingen. Eher das Gegenteil ist der Fall. Da frage ich einfach mal völlig ergebnisoffen, ob es diesen Betrag wert ist. - Letzlich muss das jeder selber entscheiden.
12.06.10 @ 13:19
Kommentar von: berit [Besucher]
beritIch denke das Ergebnis hat Sie sicherlich auch nicht so erwartet @nata. Aber ich bin trotzdem auf ihre Einschätzung gespannt.

Hätte ja zB auch gedacht, dass man immer mal verschiedene Brote backt, und nicht nur Sodabread. Aber wenn man davon ausgeht, dass einige noch nicht einmal die gängigsten Obst-und Gemüsesorten kennen...naja.
12.06.10 @ 18:39
Kommentar von: fressack [Besucher]
fressackcreezy hat recht. das ist keine sinnlose Privatparty, sondern bietet wie gesagt die Chnace zum Berufseinstieg in einem andern Land mit einem anderen System
Und genau hier liegt der Hund begraben. Wo bei uns eine dreijährige Ausbildung - die sicher nicht der Weisheit letzter Schluss ist - nötig ist, kann man sich anderswo nach so einem Crashkurs Koch schimpfen. 1, 2, Good at it.
Da wundert es mich nicht, wenn in diesen anderen Ländern das Essen einfach nicht auf einem Mindestniveau gut ist, sondern man die Highlights suchen muss. Und das schauderhafte Sodabread in Irfland ist wohl das beste Beispiel für diese Art elitären Anspruch, den die Betreiber dieser Schule haben. Keine anderen Meinungen und Fertigkeiten gelten zu lassen ist für mich ein Unding.
Mehr an professioneller Küchentechnik könnte man bei uns z.B. für gar kein geld als Praktikant in namhaften Restaurants erlernen.
Da wird mit Sicherheit kein Sodabread gebacken.
Von all dem abgesehen, finde ich den Bericht ebenso spannend wie informativ.
Ich würde in den Sack hauen und eine Rundfahrt über die Insel machen, Golf spielen, saufen und der Musik verfallen.
Slainte!

12.06.10 @ 21:02
Kommentar von: katha [Besucher]
kathainteressante diskussion. erstmal danke an dich, claudia, für die ausführlichen berichte aus der schule. und dann stellt sich natürlich die frage, ob diese art von kulinarischem nationalismus sinnvoll ist. er gibt den lehrenden sicherheit und struktur, aber den studierenden eben nur eine begrenzte kulinarische "welt"sicht. weiß man, wenn man diesen kurs bucht, dass dort "irisch" nach ballymaloe gelehrt wird oder erwartet man nicht doch mehr? bin sehr gespannt, wie dein fazit aussehen wird. ich weiß aber auch gar nicht, was du dir konkret davon erwartet hast.
12.06.10 @ 21:56
Kommentar von: Claudia [Mitglied] E-Mail
Wow, so viele Meinungen! Ja, ich hätte es mir hier teilweise etwas internationaler und weniger irisch vorgestellt - ich hatte vorab auch per Mail gefragt. Irische Küche sei natürlich dabei, aber auch viel anderes. Das stimmt, wir kochen hier ansatzweise indisch, thailändisch und französiches nach irischer Interpretation.

Was mir leid tut: Es kommt vielleicht so rüber, als würden wir hier nur Soda-Bread backen. Dem ist nicht so, wir sind inzwischen auch bei Brioche und Sauerteigbroten angelangt. Mit denen habe ich auch gar keine Probleme und mit denen lässt man mich glücklicherweise allein. Trotzdem muss ich noch ca. 7 Soda-Brote von meiner Liste abgehakt bekommen. Darauf wird schon sehr viel Wert gelegt. Oder auf das Ballymaloe Brown Yeast Bread ...

Die Rezepte hier sind nicht unumstritten. Selbst viele Iren kritisieren die altmodischen Rezepte, aber hier wird viel Wert auf altbewährt Lokales und Saisonales gelegt.

Auch unbestritten: Der Kurs hätte mir vor gut 20 Jahren viel mehr gebracht. Mich haben Aussagen zu dem Kurs bewogen, dass auch Koch-Profis hier noch lernen können bzw. auch schon Leute hier waren, die auch die Cordon Bleu-Schule absolviert haben. Ich denke, die haben Cordon Bleu an die Ballymaloe School angehängt - wohl eher nicht umgekehrt.

Zur Kochausbildung in Deutschland kann ich sagen: Es gibt wohl sehr unterschiedliche Ausbildungsbetriebe. Ich habe Koch-Azubis im 2. und 3. Lehrjahr erlebt, die noch nie Fisch zubereitet haben, dafür aber wider Willen zu Spül- und Aufräumexperten ausgebildet werden. Der Ausbildungsauftrag der ausbildenenden Betriebe existiert bisweilen nur auf dem Papier.

Ein Mindestniveau an Können, Gastlichkeit und kulinarischem Niveau würde ich mir übrigens in Deutschland auch sehr wünschen. Es ist doch immer noch so, dass man sich die Highlights auch selbst suchen muss. Trotz Lehrzeiten von 2-3 Jahren. Die Liebe zu Nahrungsmitteln lernt mancher Koch nie.

Zum einen war mir wichtig, ins Ausland zu gehen, zum anderen wollte ich eben nicht als Praktikantin (wer nimmt außerdem eine Journalistin als Praktikantin in die Küche auf?) zur Küchensklavin mutieren. Hier bin ich 4 Tage pro Woche gefordert, 2 Gänge eines Mittagstisches zuzubereiten. Dazu evtl. Brote backen oder andere Pflichten zu übernehmen.

Der Tag in der Küche ist so aufgebaut, dass jeweils meherere Vorspeise, Hauptgerichte und Desserts zubereitet werden. So gehen einem leider immer wieder mal Techniken durch die Lappen, so dass man dann, wenn Fische übrig sind, laut "hier!" schreien muss damit man das Filettieren üben kann.

Die Erfahrungen, die andere gemacht haben, helfen einem nur bedingt weiter. Es ist zum einen wichtig zu wissen, wo man selbst steht. Was möchte man? Ich wollte definitiv mehr professionelle Fertigkeiten. Ein 23-jähriger Mit-Student hat sich beispielsweise gegen Cordon Bleu und für Ballymaloe entschieden, weil es persönlicher zugeht. Eine ehemalige Cordon-Bleu-Lehrerin war neulich als Zuschauerin bei einer Kochvorführung dabei. Sie meinte hinterher im persönlichen Gespräch, dass es hier viel besser und schöner sei. Cordon Bleu ist sicher die professionellere Ausbildung, kostet aber auch mehr Geld und nimmt drei Mal so viel Zeit in Anspruch. Von den Unterkunftspreise in den Metropol-Standorten gar nicht zu reden. Falls mir das (+ Miete für meine Wohnung zu Hause und meine noch höheren Krankenkassenbeiträge) sponsorn möchte: Gern!

Kochvorführungen der Cordon Bleu-Schule habe ich von der Kochbuchmesse in Paris als sehr professionell in Erinnerung. Aber auch sehr distanziert. Nach Aussagen von Leuten, die kurze Kurse dort besucht haben, wird dort versucht, möglichst viele Leute gleichzeitig durchzuschleusen. Wobei das natürlich auch hier in Irland versucht wird. Wir sind statt 58 Studenten in diesem Kurs 62 Leute.

Einige Teilnehmer haben für den Kurs einen Kredit aufgenommen, weil sie wissen, dass sie hinterher auf jeden Fall einen Job finden.

Drill und authoritäres Lernen ist sicher auch den Kochschülern der Cordon Bleu-Schule nicht unbekannt. Würde mich schon sehr wundern, wenn das in einer frz. Schule lässig zugehen würde. Zumindest, wenn ich von meiner 7-monatigen Lehrtätigkeit an 3 frz. Schulen urteile ...

Was ich auf jeden Fall lerne: Alles, was man in der Küche tun und lassen sollte, ist relativ. Meine Lehrerin hat gestern fast aufgeschrien, weil ich in Wasser geschmolzene Gelatine umgerührt habe. Das darf man auf keinen Fall machen. Meine Erfahrung sagte mir: Das schadet der Gelatine nicht. Rachel Allen erklärte in einer Kochvorführung: Blattgelatine kann man auch ohne vorheriges Einweichen in heißer Flüssigkeit auflösen. Eine andere Lehrerin hat sich über diese Aussage furchtbar aufgeregt, weil das natürlich nicht funktionieren könne. Wir haben gestern abend im Cottage darüber diskutiert. Wurde mir zu blöd und ich habe eine Tasse Kaffee gekocht und einfach ein Blatt Gelatine drin aufgelöst. Funktioniert. Kaffee-Gelee steht im Kühlschrank.

Karamellisierenden Zucker soll man ja bekanntlich überhaupt nicht umrühren. Bei einer Cordon-Bleu-Vorführung gab der Profikoch sogar Zucker zum Karamell und rührte fröhlich um.

Ich lerne: Viele Wege führen nach Rom. Zur Panna Cotta nicht ganz so viele, aber durchaus unterschiedliche ...

Ich habe hier eine sehr gute, wenn auch sehr anstrengende Zeit auf der Farm. Ich lerne einiges, auch wenn es nach meinem Geschmack gern mehr sein könnte. Wünsche mir insgesamt einen kreativeren Umgang mit den Produkten der Saison. Küchenchefs wie Yotam Ottolenghi, Skye Gyngell oder Maggie Beer (Australien) zeigen wie es geht. Gibt ja aber immerhin zaghafte Versuche, Neues zu wagen, wenn die Grande Dame nicht anwesend ist ;)

Sicher ist eigentlich immer nur eins: Das Gras auf der anderen Seite der Wiese ist immer grüner ;)
12.06.10 @ 22:35
Kommentar von: Claudia [Mitglied] E-Mail
@Katha: Lese Deinen Kommentar erst nachdem ich meinen geschrieben habe. Ich denke die "Welt"-sicht wird einem sicher weder in einer Ballymaloe-Schule, in einer Cordon-Bleu-Schule, noch in einer 3-jährigen Lehre in welchem Restaurant auch immer beigebracht.

Eine Schule oder eine Lehre kann das Herumreisen, das Kennenlernen anderer (kulinarischer) Kulturen nicht ersetzen.

Es sind ja noch ein paar Wochen übrig. Wie in Ballymaloe House (dem Hotel) gekocht wird, weiß ich inzwischen: Traditionell, lokal, saisonal. Natürlich mit viel Butter, Sahne und Zucker. Auf sehr gutem Niveau einer Landhausküche.
13.06.10 @ 00:37
Kommentar von: katha [Besucher]
kathaes ist ja auch gar nix gegen eine regional verankerte ausbildung zu sagen, wenn man vorher weiß, worauf man sich einlässt. bin nicht sicher, ob's am cia nicht doch internationaler zugeht. natürlich ersetzt keine dieser ausbildungen (und soll auch nicht) das reisen und weiterbilden.
13.06.10 @ 12:45
Kommentar von: Claudia [Mitglied] E-Mail
@katha: Ich denke schon, dass es am CIA internationaler zugeht. Schwerpunkte hier in Irland sind natürlich "organic" und "seasonal" - ich bin hier auf einer Farm. Aber auch wenn Darina Allen betont, wie wichtig es sei, dass Köche ihre Zutaten möglichst auch selbst aus dem Garten holen: Da klafft zwischen Anspruch und Wirklichkeit eine Lücke. Man ist zwar auf "Herb Duty" und darf zum Kräuterpflücken mitgehen - nach Stundenplan, ich war bislang 2x dran. Mittwochmorgen gibt es immer Gardening Lesson, da geht man mit durchs Gewächshaus. Ich hätte es mir mehr "hands on" vorgestellt. Als Biologin mit Schwerpunkt "Nutzpflanzenkunde" und Weiterbildung in organischem Gärtnern ist das für mich eher Kindergarten à la "Guck' mal, da wachsen Zucchini!" Führt wohl doch kein Weg am eigenen Hof mit Café und Kochschule vorbei ;)
13.06.10 @ 13:01
Kommentar von: Katja [Besucher]
KatjaLiebe Claudia,
jetzt muss ich doch mal den kritischen Stimmen hier widersprechen. Ich lese deinen Blog jede Woche und das mit GENUSS (toller Schreibsti)! Und ehrlich gesagt kann ich mir nichts Tolleres vorstellen, als 12 Wochen in einem fremden Land in einem Kochkurs zu verbringen. Das nenne ich wahre Lebensfreude und Ethusiasmus pur!
Danke, dass du uns an deinen Erfahrungen teilhaben lässt.
P.S. habe auch schon einiges nachgebacken von dir z.B. den Orangenkuchen SUPER!
Herzliche Grüße von Katja
13.06.10 @ 13:43
Kommentar von: Claudia [Mitglied] E-Mail
@Katja: Es ist wunderschön, hier auf dem Gelände der Farm zu leben. Es ist ist himmlisch ruhig, abends stockdunkel und man kann den Sternenhimmel bewundern. Das Wasser kommt aus dem Brunnen und ist nicht gechlort (aber für sicher befunden!). Es tut mir gut, in den Kräutergarten zu gehen und mir Kräuter zu schneiden, die ich in der Freizeit für mein Essen benötige. Und die manchmal merkwürdigen Rezepte aus dem Unterricht spornen mich an, anschließend etwas Leckeres zu kochen!
13.06.10 @ 14:29
Kommentar von: fressack [Besucher]
fressackUnd von Guinness und der Whiskeyauswahl haben wir noch gar nichts erfahren....
15.06.10 @ 11:20
Kommentar von: Daniel [Besucher] E-Mail
DanielObwohl Du nicht alle die Sachen gern kochst, ich versuche alle die Berichte zu lesen. Auch, habe ich mich entschieden- nach deinem Posts- Darina's Buch zu kaufen- und auch Soda Bread mindestens einmal zu backen. Bin so neugierig weil Du immer davon bloggst.
15.06.10 @ 22:48
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