Welche Milch zum Aufschäumen?
Von claudia am Apr 25, 2009 | In Fundstücke, Tipps & Tricks | 19 Feedbacks »

Anfang der 90er war Latte macchiato wahrscheinlich noch in ganz Deutschland eher selten anzutreffen. Café au lait, Milchkaffee im Bol serviert, war zu Studentenzeiten das einzig Wahre. Eine meiner Freundinnen erwärmte dazu die Milch und schlug sie mit einem Schneebesen auf. Damals fand ich es noch einigermaßen faszinierend, dass man auch Milch zu Schaum schlagen konnte. “Aufschäumen” sagten wir damals noch nicht. Inzwischen sind Milchmixgetränke wie Latte Macchiato nicht mehr aus der Kaffeelandschaft wegzudenken. Von frischli gibt sogar eine spezielle Milch: Cappuccino-Milch. Auch wenn ich bei derlei Wunderkreationen immer skeptisch bin. Ausprobieren musste ich das doch …
Die Spezialmilch hat 2,5 Prozent Fett und soll sich speziell zum Aufschäumen von Milch eignen. Sie tritt in meinem Kurztest gegen eine ganz normale H-Milch mit 1,5 Prozent Fett an. Meine Versuche, frische Milch (egal ob voll- oder halbfett) habe ich bereits hinter mir. Homogenisierte H-Milch lässt sich besser schäumen und fällt nicht gleich wieder zusammen wie der Schaum frischer Milch.
Ich habe versucht, möglichst gleiche Testbedingungen zu schaffen. Die Milch hatte in beiden Fällen Zimmertemperatur (frisch geöffneter Tetrapak). Aufgeschäumt wurden jeweils abgemessene 150 ml Milch. Aufgeschäumt mit der Aufschäumdüse meiner Jura Impressa E75 für jeweils 45 Sekunden. Darauf kam dann jeweils 80 ml starker Espresso.
Zur Orientierung, auch wenn beide Bilder recht ähnlich sind: Das obere Bild ist der Latte Macchiato mit der Cappuccino-Milch, das untere mit der normalen H-Milch.

Mein erster Eindruck von der “Latte speziale"-Milch: Die schäumt viel schneller und besser. Doch das war nur ein Eindruck. Die normale halbfette Milch schäumte anschließend nämlich genauso gut, in beiden Bechern war ungefähr gleich viel Schaum. Die Haltbarkeit des Schaums war bei beiden sehr ähnlich. Bei der Spezial-Aufschäum-Milch war allerdings noch mehr Schaum da als der Kaffee schon fast kalt war. Da musste die H-Milch mit nur noch eine Reminiszenzen an Schaum vorhanden. Wäre für mich kein Kaufkriterium, denn solange der Latte Macchiato heiß war, hielt sich der Schaum bei beiden perfekt. Standfestigkeit bis zum finalen Schluck muss ich hier nicht haben.
Z

um Geschmack: Die Milch habe ich vorher auch einmal pur probiert. Sie zeigt eine deutliche Süße und einen angenehmen Geruch mit Tendenz zu Vanille. Der daraus zubereitete Latte Macchiato hat einen cremigeren Schaum, was mich nicht weiter verwundert hat, weil die Milch ja auch fetter ist. Der Latte Macchiato riecht unglaublich verführerisch, da kann der Kaffee mit der normalen H-Milch nicht mithalten. Der duftet “nur” nach Espresso, der andere wie eine Kaffeekreation aus einem Coffee-Shop. Bei einem Blindtest hätte ich mich durchaus für den Latte macchiato mit der Spezialmilch entschieden. Sehr harmonisch, weich und rund.
Der Zucker, den ich auf den Schaum gab, sank bei beiden ungefähr gleich schnell ab und hinterließ einen schönen Krater.
So, kommen wir zu den Zutaten der Milch. Ja, richtig gehört. Zutaten!
Bei der H-Milch ist außer halbfetter Milch nix in der Milchtüte. Die Latte speziale muss da schon weiter ausholen. Oder dachten Sie, dass der schöne Geruch und der liebliche Geschmack von dem 1 Prozent mehr Fett kommen? Here we go: Vollmilch (71%), Magermilch (28%), Zucker, Milcheiweißerzeugnis, Stabilisator Natriumalginat, Aroma.
Alginate werden hier zur Stabilisierung des Schaums eingesetzt. Bei wikipedia liest man zum Thema Alginsäure: “Alginate werden vom Körper nicht aufgenommen und gelten als unbedenklich. Größere Mengen können allerdings die Aufnahme von Calcium und Spurenelementen wie Eisen herabsetzen und in Tierversuchen wurde eine leichte Beeinträchtigung der Eiweißverdauung festgestellt.”
Kurz zum Preis: Eine No-Name-H-Milch (halbfett) ist für 49 Cent zu haben. Für die Cappuccino-Milch habe ich in der Metro 1,09 Euro bezahlt. Kaufen würde ich diese Milch eventuell, wenn ich beispielsweise bei einem Frühstück mit mehreren Personen viel Milch aufschäumen möchte. Da würde ich dann von der höheren Stabilität profitieren. Im Alltag halte ich diese Milch für ziemlich überflüssig.
19 Kommentare
@Medienfuzzi: Ja, das Marketing hat ganze Arbeit geleistet. Mich würde interessieren, ob diese Milch in der Gastronomie Verwendung findet.
@Foodfreak: Hmmm, mit der Biomilch von Sobbecke (auch vollfett) lässt sich Milch bei mir definitiv nicht gut aufschäumen. Der Schaum hält kaum bis zum Servieren. Muss am Homogenisieren liegen.
LG
Sarah
Dank deines Tests kann ich beruhigt bei meiner Bio-Milch bleiben :-D
ich verfolge Ihren Blog mit großem Interesse und habe mich über den post zum Aufschäumen verschiedener Milchsorten sehr gefreut.
Leider kann ich mir keinen Kaffeevollautomaten leisten und bereite mir meinen Cappuccino immer mithilfe eines kleinen batteriebetriebenen Milchaufschäumers zu. Mit dem Ergebnis bin ich insgesamt zufrieden, allerdings packt mich manchmal die Lust auf etwas Süßes und ich möchte meine Milchschaumkrone mit etwas Kakaopulver krönen. Dann entsteht ein schönes, knisterndes Geräusch, das an schwindenden Badeschaum erinnert und mein Cappuccino ist recht schnell um sein edles Haupt beraubt ;)
Haben Sie einen Tipp für mich, wie ich den Schaum so fest bekommen kann, dass er die Kakaobestäubung überlebt und sich nicht gleich auflöst?
Vielen Dank und beste Grüße,
Michelle
@Schnickschnack ...: Das ist eine sehr leckere Variante. Aber wirklich nur für besondere Anlässe. Wäre selbst mir im Alltag zu viel Aufwand.
@Sivie: Sooo frische Milch bekommt man wirklich selten. Dass es an der Frische der Milch liegen könnte, darauf bin ich noch gar nicht gekommen. Woran könnte es denn liegen, dass frische Milch besser schäumt? Verändert sich die Eiweißzusammensetzung?
@Michelle: Dass sich der Milchschaum sozusagen in Luft auflöst, sobald man Kakaopulver draufsiebt, ist oft zu beobachten - auch sehr festem Milchschaum, allerdings ist die Schaumschicht meist so dick, dass immer noch genügend Schaum übrig bleibt. Beobachtet habe ich auch, dass Pulver für Kakao-Getränke (also wie Nesquik, Kaba oder ähnliche), die Zucker und andere Zusatzstoffe enthalten der "Auflöseprozess" praktisch sofort einsetzt. Bei normalem Kakaopulver, habe ich das bislang in nicht so stark empfunden. Wichtig ist also, dass der Milchschaum recht fest ist. Das erreicht man übrigens auch mit einem kleinen batteriebetriebenen Milchschäumer, den ich auch mal hatte. Man braucht etwas Geduld und - das ist nicht anders als bei der Milchdüse - H-Milch. Meine Aufschäumversuche mit div. "Aufschäumgeräten" waren mit frischer Milch nie optimal.
Ich weiß außerdem von mindestens 2 Kaffee-Läden, die ausschließlich H-Milch zum Schäumen verwenden.
Was für eine Milch verwenden Sie? Was für ein Kakaopulver?
Beim Kakao-Pulver habe ich bislang das zur Herstellung von Getränken verwendet. Beim nächsten Mal, wenn mich ein Süß-Jieper überkommt, werde ich also einmal Back-Kakao probieren ... und evtl. eine dickere Milchschicht anlegen ;)
Vielen Dank für die Antwort!
seit einiger Zeit gibt es die sogenannte ESL Milch, das ist Frischmilch, die wesentlich länger haltbar ist als bisher. Angeboten wird sie von allen gängigen Firmen. Diese ESL-Milch lässt sich nach meiner Erfahrung viel besser aufschäumen als die bisherige Frischmilch, egal ob mit 3,5% oder mit 1,5% Fett. Lediglich homogenisiert muss die Milch sein, damit es klappt.
Ich schäume sowohl mit der Cappucchinomaschine als auch mit dem Crema Momenti der Firma Tupperware auf.
Der Schaum wird feinporig und sehr stabil. Für mich eine echte Bereicherung, da ich keine H-Milch mag.
Vielen Dank übrigens für deine interessanten Beiträge und leckeren Rezepte.
Viele grüße
Sylvia
Das ist alles nur noch Extended Shelf Life (ESL) Milch - die "länger haltbare".
Das Ergebnis war gut. Dann sind wir umgestiegen auf frische Vollmilch und haben uns den 'Frothaulait' gekauft. Da ist es eigentlich egal, welche Milch man nimmt. Die Milch wird gleichzeitig erhitzt und aufgeschäumt.
Latte Macchiato ist ein Trendgetränk geworden, besonders für alleinerziehende Mütter, die sich mit den quengelnden oder stillen Kindern in der Vormittagszeit in den Espresso- und Kaffee-Bars tummeln *feix*
Habe mich schon oft gefragt, ob es nur die Optik des Latte ist, die was hermacht. Würde mir wünschen, dass die Schichtung der drei Phasen ein nie gekanntes Geschmackserlebnis beherbergt.
P.S. Ich benutze normale 1.5%-Milch für den Cappu. Der Schaum wird zwar etwas 'glasig', ein wenig in den Kaffee eingerührt, finde ich ihn aber okay.
zum thema kaffee gab es letztens einen sehr interessanten podcast bei chaosradio express
http://chaosradio.ccc.de/cre119.html
dort wird unter anderem auch das thema milchschaum bzw. aufschäumen behandelt. die interviewpartnerin nimmt z.b. 3.8%-milch.
ich war zumindest sehr angetan von der podcast folge.
gruß ugod
@Nils: Ich glaube den Siegeszug hat Milchkaffee angetreten, weil so wahnsinnig schlechter Kaffee gekocht wird ;-) Und Latte Macchiato ist "in", weil er im Glas serviert wird und nach Italien schmeckt ;-)
@ugod: Hab mir nebenbei das Gespräch angehört. Nette, lange (> 100min.) Unterhaltung, aber bisweilen planlos - und für absolute Kaffee-Nerds. Wußte gar nicht, dass der CCC auch ein Radio betreibt.
Einen Kommentar hinterlassen
| « Salat mit Hähnchenbrust | Rote Grütze » |









